Monday, September 26, 2022
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Die Verwandlung hat begonnen

Wohlstand und Klimaschutz in Einklang zu bringen, ist das Ziel der Bundesregierung. Was das für die Bevölkerung bedeutet, erläutert Robert Habeck, Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz, im Interview.

Herr Minister Habeck, das neue Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz will Ökonomie und Ökologie in Einklang bringen. Wie gehen Sie diese Aufgabe an?

Klimaschutz und eine erfolgreiche, wettbewerbsfähige Wirtschaft sind keine Gegensätze. Deutschland kann und sollte hier mit gutem Beispiel vorangehen. Unsere Wirtschaft hat die Innovationskraft, klimafreundliche Verfahren und Produkte zu entwickeln. Dafür wollen wir weiterhin die Grundlagen und die notwendigen Anreize schaffen. Nachhaltiges Wirtschaften muss verbindlicher und konsequenter in allen Politikbereichen verankert und Unternehmen und Haushalte bei den notwendigen Anpassungen und Investitionen für die Zukunft unterstützt werden. Im Jahreswirtschaftsbericht haben wir erste konkrete Schritte hin zu einer sozial-ökologischen Marktwirtschaft skizziert.

Klimaschutz kostet Geld und die Wirtschaft soll Geld verdienen. Geht das in einer Industrienation wie Deutschland zusammen?

Unbestreitbar kostet Klimaschutz in erster Linie Geld. Deshalb sind wir auch bereit, die notwendigen Investitionen mit zusätzlichen Anreizen zu unterstützen. Die Transformation bietet enorme Chancen nicht nur für die Industrie, sondern auch für das Handwerk und den Mittelstand. Durch diese Investitionen werden gesamtwirtschaftliche Aufträge generiert und neue, innovative Geschäftsfelder entstehen, die der deutschen Industrie auch im internationalen Wettbewerb neue Chancen bieten.

Welche Chancen bietet der Umbau der Wirtschaft im Hinblick auf die internationale Wettbewerbsfähigkeit?

Der Umbau der Wirtschaft hin zur Klimaneutralität bietet große Chancen für die deutsche Industrie. Die Transformation hat bereits begonnen: Wir wissen, dass sich Märkte verändern und industrielle Prozesse angepasst werden müssen. Die Nachfrage nach nachhaltigen Produkten wird weiter steigen; Klimaschutz wird immer mehr zum Wirtschaftsfaktor. Wir haben jetzt die Chance, einer der Vorreiter an der Spitze einer bereits stattfindenden Transformation zu sein. Moderne, effiziente und ressourcenschonende Technologien sind Wachstums- und Innovationstreiber. Deutsche Unternehmen haben die Erfahrung, das Know-how und die Mittel, um nachhaltige Lösungen zu entwickeln. Damit sie diese Chancen nutzen können, werden wir sie bestmöglich unterstützen – nicht nur durch angemessene wirtschaftliche Rahmenbedingungen und öffentliche Investitionen, sondern auch durch gezielte Förderung.

Mit der Wirtschaft wird sich auch die Arbeit verändern: Was machen Menschen in klassischen Arbeiterberufen künftig – zum Beispiel der Baggerfahrer in der Zeche oder der Auspuffmonteur in der Autofabrik?

Neue Geschäftsmodelle und Technologien können nicht nur klimaneutralen Wohlstand, sondern auch menschenwürdige Arbeitsplätze schaffen. Der zugrunde liegende Strukturwandel wird sicherlich zum Aussterben bestimmter Berufe führen. Gleichzeitig entstehen aber auch ganz neue Berufe, denen häufig auch ein entsprechender Fachkräftebedarf folgt. Paradoxerweise werden wir je nach Region und Branche gleichzeitig Fachkräftemangel und -überschuss beobachten können; zum Teil ist das sogar heute schon der Fall. Die große Herausforderung wird darin bestehen, die Menschen, die zuvor nicht mehr benötigte Tätigkeiten verrichtet haben, so schnell wie möglich umzuschulen, damit sie an anderer Stelle neue Aufgaben übernehmen können. Weiterbildung und Qualifizierung spielen hier also eine ganz zentrale Rolle.

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