Wednesday, November 30, 2022
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Engagiert gegen den Hunger

Der Krieg in der Ukraine und die daraus resultierende Nahrungsmittelkrise treffen viele Menschen in Afrika schwer. Was Deutschland gegen den Hunger tut.

Obwohl der Ausgang von Putins Krieg in der Ukraine wahrscheinlich noch lange nicht klar sein wird, sind seine unzähligen Opfer bereits bekannt. Dieser Angriffskrieg hat verheerende Folgen nicht nur für die von russischen Bomben- und Hinrichtungsbefehlen terrorisierte Zivilbevölkerung der Ukraine, sondern auch für russische Familien, deren Söhne im Nachbarland getötet werden – und für Millionen Menschen weltweit Welt. Unmittelbar nach den verheerenden Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie hat der Einmarsch in die Ukraine die Weltwirtschaft in eine noch tiefere Krise gestürzt: Die Treibstoffpreise schießen in die Höhe, die Preise für Grundnahrungsmittel wie Speiseöl und Weizen haben sich verdoppelt, ebenso für Düngemittel – insbesondere aus russischer Produktion – wird immer knapper.

Russland und die Ukraine werden als „Kornkörbe Europas“ bezeichnet: Von dort stammen laut der Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung (UNCTAD) mehr als die Hälfte des weltweiten Sonnenblumenöls sowie fast ein Viertel des weltweiten Weizens. Vor allem Länder im Nahen Osten und in Afrika sind auf diese Produkte angewiesen: Laut UNCTAD importieren 25 Länder der Region von dort jährlich Weizen im Wert von fast zwei Milliarden US-Dollar. Der Zusammenbruch der ukrainischen Landwirtschaft und die Wirtschaftssanktionen gegen Russland haben zu einer dramatischen Verknappung von Grundnahrungsmitteln geführt und diese für Millionen Menschen in Afrika deutlich teurer gemacht: Für Weizen müssen sie bis zu 90 Prozent mehr bezahlen, während die Bauern Dünger gesehen haben Preise steigen um mehr als 60 Prozent. UN-Generalsekretär António Guterres rechnet mit einem „Hunger-Hurrikan“.

Dies trifft in erster Linie die Ärmsten der Armen, die den Schlag steigender Preise nicht durch Einsparungen an anderer Stelle abfedern können. Hilfsorganisationen wie das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) haben es ihrerseits schwer, ihre Vorräte wieder aufzufüllen – oder müssen dafür exorbitant höhere Preise zahlen.

Was Deutschland tut, um zu helfen
Die sich abzeichnende Hungerkatastrophe, die beispielsweise in Ostafrika durch die Folgen der Klimakrise zusätzlich verschärft wird, hat die Bundesregierung zum Handeln beflügelt: Bundesaußenministerin Annalena Baerbock und Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir kündigten beide an, Deutschlands Zahlungen an das WFP um 200 Millionen Euro erhöht werden.

Wie Özdemir jedoch einräumt, kann Deutschland als Weizenexporteur die Kornkammer Europas nicht ersetzen: „Man muss sehen, dass dem Machbaren Grenzen gesetzt sind.“ Der Landwirtschaftsminister hat die Bevölkerung seines Landes aufgefordert, den Fleischkonsum zu reduzieren: 60 Prozent des Getreides werden in Deutschland an Tiere verfüttert – umgerechnet 25 Millionen Tonnen, damit könnte die Hälfte des Jahresbedarfs des WFP gedeckt werden.

Verbesserungen in der Landwirtschaft
Dass die Deutschen plötzlich alle Vegetarier werden, ist nicht wirklich wahrscheinlich, weshalb die Reaktion der Bundesregierung auf die Ernährungskrise nicht nur auf Deutschland beschränkt ist. Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) führt seit vielen Jahren – vor allem mit afrikanischen Partnerländern – das Programm Food and Nutrition Security, Enhanced Resilience durch, das nun weiter ausgebaut wurde: Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ( BMZ) unterstützt dieses Programm inzwischen mit mehr als einer Milliarde Euro pro Jahr. Deutschlands Ziel ist es, die Ernährungssicherheit in instabilen Ländern durch Verbesserung der Landwirtschaft zu verbessern.

Dies kann durch die Erschließung neuer Flächen für die Landwirtschaft, die Rettung übernutzter Ackerflächen oder den Einsatz nachhaltiger Agrartechnologie zur Steigerung der Produktivität geschehen. Experten haben errechnet, dass jeder Euro, der für landwirtschaftliche Verbesserungen ausgegeben wird, im Schnitt drei Euro an Soforthilfe einspart.

Bei ihren Bemühungen, etwas gegen die drohende Ernährungskrise zu tun, wird die Bundesregierung auch von privaten Initiativen unterstützt – allen voran von der „Aktion Deutschland Hilft“, einem Zusammenschluss von mehr als 20 privaten Hilfsorganisationen. Ihre 2.400 Projekte in 130 Ländern sind sowohl auf akute Nothilfe als auch auf langfristige Ernährungssicherung ausgerichtet: Allein in Ostafrika sind derzeit 23 Millionen Menschen auf Hilfe angewiesen.

Auch aus der aktuellen Krise lassen sich Lehren für die globale Landwirtschaft ziehen. Nämlich, dass gerade stabile Länder sich stärker auf ihre Landwirtschaft konzentrieren sollten, dass sie ihre Böden und Pflanzen sparsam verwenden sollten, damit sie auch von zukünftigen Generationen genutzt werden können, und dass sie sich auf die Folgen der globalen Erwärmung vorbereiten sollten.

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